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Bundesstiftung Baukultur

Beratungsunterlagen

Auszug aus den Beratungsunterlagen des ersten Konvents der Baukultur am 4. und 5. April 2003 in Bonn

Aufgabe der Stiftung

Die Stiftung will eine bundesweite Plattform für die Kommunikation der Anforderungen an gutes Planen und Bauen sein. Sie ist keine Förderstiftung, sondern organisiert übergreifend den öffentlichen Dialog um die Kriterien für Baukultur, weckt bei Akteuren und in der Bevölkerung Interesse und Aufmerksamkeit und schafft so ein unterstützendes baukulturelles Klima. Durch Herausstellen von Leistungen zeigt sie die Bedeutung der Baukultur für unsere Kulturnation und den Standort Deutschland. Auf diese Weise stärkt sie Qualitätsnachfrage, verbessert die Marktchancen von Architekten und Ingenieuren und unterstützt die internationale Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Planungs- und Bauwesens.
Die Stiftung soll in öffentlich-rechtlicher Form durch Bundesgesetz errichtet werden.

Bei der Erfüllung ihrer Kommunikationsaufgabe bindet die Stiftung vorhandene Potentiale und Institutionen ein. Sie soll helfen, ein aktives Netzwerk planender und bauender Institutionen und Akteure in Deutschland aufzubauen, private Qualitätsinitiativen anstoßen, und so die Rahmenbedingungen für Baukultur in Deutschland verbessern.
Insgesamt soll sich die Stiftung auf besonders wirksame Instrumente mit bundesweiter und internationaler Ausstrahlung beschränken, die im Folgenden dargestellt werden.

Konvent der Baukultur

Der Konvent ist das zentrale Beratungs- und Kommunikationsinstrument der Stiftung. Dem Charakter nach Fachbeirat, soll er vom Stiftungsrat gleichwohl mit weitreichenden Kompetenzen ausgestattet werden, insbesondere die nachstehend dargestellten Instrumente in Auftrag geben, die Ergebnisse entgegennehmen und bewerten sowie in die öffentliche Diskussion einführen und Instrumente weiter entwickeln. Die Fachautorität des Konvents bilden die Träger, Stifter und Bauherren bundesweit bedeutsamer Preise im Bereich Architektur, Ingenieurwesen, Stadtplanung der jeweils letzten Jahre. Hinzu kommen weitere Persönlichkeiten mit Leistung und Engagement für die Baukultur sowie die für den Erfahrungsaustausch wichtigen Ansprechpartner.

Der Konvent führt eine öffentliche Vollversammlung durch, auf der er zentrale Themen der Baukultur behandelt (Standortbestimmung), dem Stiftungsrat Schwerpunkte der Stiftungsarbeit empfiehlt, diese konzeptionell umsetzt (Einsatz Arbeitsgruppen, etc.) und der Würdigung aktueller Leistungen für die Baukultur einen Rahmen schafft. Der Ort des Konvents wird unter Städten und Gemeinden jeweils ausgeschrieben.

Bericht zur Lage der Baukultur und Sachverständigenrat

Ein regelmäßiger Bericht zur Lage der Baukultur in Deutschland, der eine Bestandsaufnahme vornimmt und die Zukunftsaufgaben formuliert. Der Bericht wird von einem unabhängigen Sachverständigenrat erarbeitet, den die Stiftung in Abstimmung mit der Bundesregierung beruft. Der Sachverständigenrat legt seinen Bericht der Stiftung und der Bundesregierung vor. Diese berichtet dem Deutschen Bundestag. Neben seinem Lagebericht kann der Sachverständigenrat auch ad-hoc zu aktuellen Themen der Baukultur Positionen vorlegen.

Schwarz-Weiß-Buch

Das Schwarz-Weiß-Buch behandelt und verdeutlicht Qualitätsmaßstäbe der Baukultur an konkreten exemplarischen Projekten. Typische Planungs- und Bauvorgänge werden recherchiert, analysiert, kommentiert und die Ergebnisse erläutert (Randbedingungen, Umfeld, Interessen, Verfahren). Das Schwarz-Weiß-Buch ist somit eine konkrete Lernwerkstatt, welche die Diskussion um Qualitätskriterien „auf den Boden“ und projektbezogen voranbringen soll.
Die Verfasser des Schwarz-Weiß-Buches sowie die Grundzüge des Vorgehens werden durch den Konvent der Baukultur bestimmt. Sie legen ihr Arbeitsergebnis, das sie unabhängig erarbeiten, dem Konvent vor, der es über die Stiftung der öffentlichen Diskussion zuführt.

Stadt der Baukultur

In längeren Zeitabständen soll durch ein großes „Ereignis“ das Engagement für Baukultur und seine Bedeutung für Städte und Nation bewußt und als Identifizierungsmöglichkeit erlebbar werden. Das Beispiel internationaler Bauausstellungen, Bundesgartenschauen und europäischer Kulturhauptstädte sind Anknüpfungspunkte dieser Idee. Es geht um einen Wettbewerb, der eine vorbildliche Gestaltung der Umwelt in einer Stadt und Region sowie zeitgenössische Aspekte guten Bauens ebenso präsentiert wie auch die Integration späterer Nutzungsperspektiven. Ausschreibungs- und Vergabeinstanz ist die Stiftung; Schirmherr sollen Bundesverfassungsorgane sein. Die Ausschreibung soll durch eine vom Konvent der Baukultur beauftragte Expertenkommission entwickelt und danach weiter begleitet werden.

Nationales Experiment

Technologisch-ökonomische Innovationen brauchen Formgebung und umgekehrt.
Die Entwicklung innovativer Produkte in unserem Bauwesen bedarf des Muts zum Experiment. Auch hier geht es um einen Wettbewerb. Gesucht werden besondere hervorgehobene Projekte, die sich durch neue Ideen mit Zukunftsrelevanz für das deutsche Planungs- und Bauwesen auszeichnen – so wie Wissenschaftler, Gemeinden und Unternehmen, die solche Ideen verwirklichen wollen. Ein vom Konvent der Baukultur eingesetzter unabhängiger Expertenrat soll Programmlinien und Auswahlkriterien formulieren. Angestrebt ist, dieses Vorhaben dann der Forschungsförderung des Bundes zu empfehlen (Schwerpunkt eines Themenfeldes Baukultur im Rahmen der Forschungsförderung) und zu begleiten.

Netzwerkgespräch und Erfahrungsaustausch

Das Forum für den Baukultur-Dialog kann nicht nur der Konvent sein. Ebenso wichtig ist die Kooperation mit den verschiedenen vorhandenen Facheinrichtungen (Akademien, Museen, Institute, Hochschulbereiche, aktive Büros, Bürgerinitiativen, Ländereinrichtungen, Gemeinden, Bildungseinrichtungen, Kulturinstitute), aber auch mit Parteien, Gewerkschaften, Bau- und Wohnungswirtschaft, usw.. Die Stiftung soll deshalb in regelmäßigen „Netzwerkgesprächen“ ein Forum für den nationalen Erfahrungsaustausch mit den vorhandenen Institutionen anbieten und organisieren, sich in diesem Forum selbst der Fachdiskussion stellen und auf einen Austausch und eine sinnvolle Arbeitsteilung unter den mitwirkenden Einrichtungen beim Engagement für Baukultur hinwirken. Sie soll dazu interessante lokale Initiativen einladen und diese ermutigen. Sie soll auf geeignete Weise (Newsletter, Internetauftritt, Arbeitskontakte) auch zwischen den Netzwerkgesprächen die Verbindung zu den vorhandenen Einrichtungen pflegen, mit diesen bei geeigneten Projekten kooperieren und den gegenseitigen Informationsaustausch sicherstellen.

Impulse zur Weiterentwicklung von Forschung und Förderung

Es soll Aufgabe der Stiftung sein, Empfehlungen für die Weiterentwicklung innovativer Grundlagen der Architektur, des Ingenieurbaues, der Stadtplanung und der qualitätsvollen Bauwesens insgesamt zu erarbeiten und Impulse auszulösen.
Dies kann sich z.B. auf die „Brücke“ zu Bildungsaufgaben beziehen, auf den Ausbau der Forschung und des experimentellen Städtebaues, auf neue Formen der öffentlichen Würdigung besonderer Bau- und Planungsleistungen, auf Vorschläge für Nachwuchsförderung. Im Blick sind hierbei nicht Projektförderungen durch die Stiftung selbst, sondern Konzepte für die systematische Entwicklung der Grundlagen und geeigneter Rahmenbedingungen. Möglicherweise kann die Stiftung in diesem Bereich auch Modellvorhaben und Pilotprojekte initiieren und begleiten. Dies kann auch die Begleitung und Dokumentation interessanter lokaler Initiativen und Projekte umfassen, bis hin zu deren Beratung und Mediation (soweit vor Ort gewünscht).

Herausstellung von Leistungen im internationalen Rahmen

Neben dem nationalen Erfahrungsaustausch soll die Stiftung am internationalen Erfahrungsaustausch und Netzwerk teilnehmen und Erkenntnisse sammeln. In diesem Rahmen soll sie regelmäßig Leistungen deutscher Architekten und Ingenieure im internationalen Rahmen präsentieren und für die „Marke deutsche Baukultur“ werben. Die Bundesregierung erwägt, der Stiftung evtl. auch die Projektträgerschaft für künftige deutsche Beiträge zu Internationalen Architekturbiennalen zu übertragen.